Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 17. Oktober 2017

Liddy, Linus & Lior von Sonny Tailor




Klappentext:
Liddy, Linus & Lior …
treten gemeinsam zur Lichtgeister-Prüfung an. Die Aufgaben sind sehr schwierig, Linus schafft es nicht, sich in ein Tier zu verwandeln und besteht daher den Test nicht. Er muss ins Schattenreich und dort als Geist sein Unwesen treiben. Doch als er ein Wildschwein rettet, wird ihm klar, dass er nie seine Erfüllung als Schattengeist finden kann.
Wird Linus es schaffen, ein Lichtgeist zu werden und kann er bald seine Freunde Liddy und Lior wiedersehen? Setzt euch ins Lichtimobil und reist ins Lichterland. Doch passt auf, damit Stinkstiefel euch nicht erwischt … 
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Leseprobe Liddy, Linus & Lior
Laco, der Wächter aller Geister, geht in seinem Büro auf und ab. Sein Lichthaus strahlt mit der Sonne um die Wette. Er ist von großer, schlanker Gestalt. Sein zerzaustes, goldenes Haar hängt ihm oft ins Gesicht. Mit seinen langen, knochendünnen Fingern streicht er die Strähnen aus der Stirn. Seltsam muten seine übergroßen und breiten Füße an, die überhaupt nicht zum Rest seiner Erscheinung passen wollen.
Trotz seines hohen Alters von zweihundert Jahren fühlt er sich genauso aufgeregt wie seine Schützlinge und macht sich Sorgen: Die Prüfungen zum Lichtgeist stehen unmittelbar bevor und sie sind sehr schwierig.
Um ein richtiger Lichtgeist zu werden, müssen seine Schützlinge zeigen, dass sie auf Menschen aufpassen können. Sie müssen die Menschen beschützen und ihnen zur Hilfe eilen, wenn es nötig ist. Die Aufgabe eines Lichtgeists ist, die Menschen auf den richtigen Weg zu bringen. Seine drei Schützlinge dürfen keine Verlierer sein! Erfüllen sie ihre Aufgaben nicht, muss Laco seine Lieblinge ins Schattenland schicken, was er sehr bedauern würde. Schattengeister sind das genaue Gegenteil von Lichtgeistern; sie sind nur im Dunkeln aktiv. Ein Schattengeist erschreckt die Menschen mit gruseligem Aussehen und lässt sie Dinge machen, die sie gar nicht tun wollen. Die dunklen Gesellen fallen durch ihr schlechtes Benehmen auf, zeigen sich genervt und missmutig. Man kann sie auch als die bösen Geister bezeichnen! Sie sind namenlos und rufen sich untereinander nur selbst gegebene Spitznamen zu:
Schuft, Schlageraffe, Schweinchen oder Schleimi! Das sind noch die harmlosesten ‚Kosenamen‘, die sich die Schattenwesen zurufen. Der fieseste von allen Schattengeistern ist aber Stinkstiefel. Den werdet ihr später noch kennenlernen! Obwohl … darauf könntet ihr sicher getrost auch verzichten, denn der ist wohl der Schlimmste von allen …
Laco schüttelt den Kopf. Er schiebt die dunklen Überlegungen beiseite und denkt an die guten Geister. Eine Spukgestalt hat es wirklich nicht leicht, nicht einmal ein Oberwächter. Der Hüter zieht die Schublade seines Schreibtisches auf. Er holt mehrere runde, schwarze Marken, wie für einen Einkaufswagen, heraus und steckt sie ein. Die erste Prüfung wird für Liddy, Lior und Linus sehr leicht sein. Alle weiteren Prüfungen sind viel, viel schwerer.

LICHTERLAND
Der Oberwächter holt am nächsten Tag seine drei Lieblingsgespenster höchstpersönlich von zu Hause ab. Als Liddy ihm öffnet, schaut er sie besorgt an, denn sie ist kreidebleich im Gesicht. Lior und Linus sehen nicht besser aus. Laco versucht zu scherzen: „Ihr seht aus wie Gespenster.“ Dabei grinst er die drei an. Liddy blickt ihn mit großen Augen verständnislos an. Es dauert eine Weile, bis schließlich Linus in schallendes Gelächter ausbricht. Lior und Liddy lassen sich von dem Lachen, das an ein quiekendes Schweinchen erinnert, anstecken. Die Stimmung ändert sich von einem Moment auf den anderen. Laco ist sichtlich erleichtert, als sie gemeinsam ins Lichterland aufbrechen.
Lior pfeift sogar gut gelaunt vor sich hin und Liddy quasselt ununterbrochen. Sie versucht, aus Laco Details über die Prüfungen herauszulocken. Aber der Wächter bleibt standhaft und verrät nichts.
Nach einer Stunde, jedenfalls empfinden die Freunde das so, haben sie das Lichterland erreicht. Kein Wölkchen trübt den Himmel und die Sonne scheint so hell, dass sich ihre Augen erst an die Helligkeit gewöhnen müssen. Einen Sonnenuntergang gibt es hier nie, denn die Sonne strahlt den ganzen Tag – vierundzwanzig Stunden lang. Eine Unterscheidung zwischen Tag und Nacht kennt man im Lichterland nicht. Aufgrund der angenehmen Wärme blühen die Blumen das ganze Jahr hindurch in allen erdenklichen Farben. Sie brauchen kein Wasser, dank der Zauberei von Laco. Tausende bunt gefiederter Vögel zwitschern ihre Melodien. Schmetterlinge flattern durcheinander.
Liddy ist begeistert. Das Lichterland strahlt so viel Fröhlichkeit aus, dass sie sich einfach wohlfühlen muss. >Bestimmt macht es Spaß, hier herumzuspuken< denkt sie, ist zufrieden und ihr Kampfgeist geweckt: „Los, Laco, verrate endlich unsere erste Aufgabe!“, verlangt Liddy tatendurstig und zappelt ungeduldig vor dem Oberwächter herum.

LICHTIMOBIL
Liddy dreht sich um, doch Lior und Linus stehen nicht mehr hinter ihr. Sie entdeckt sie weiter entfernt, wo sie um etwas herumhüpfen, das sie noch nie gesehen hat. Laco grinst und fordert Liddy auf, zu den beiden hinzugehen. Etwas Knallgelbes leuchtet ihr entgegen, ähnlich einer großen Wäscheklammer – zwei gleichlange Schenkel aus Kunststoff, an je einem Ende nach oben gebogen, die an eine Lenkvorrichtung erinnern. In der Mitte sind die Schenkel durch einen Metallgürtel zusammengehalten, auf dem oben ein lederner Sitz befestigt ist. Laco beobachtet die drei, wie diese aufgeregt um das Ding herumlaufen, und löst das Rätsel auf: „Es dient zur Fortbewegung im Himmel. Man nennt es Lichtimobil, weil es nur bei Licht benutzt werden kann.“
Nachdem die drei genug gestaunt haben, fährt Laco fort: „Eure erste Aufgabe besteht darin, dass ihr mit dem Gefährt ein Zauberlicht ins Schattenland bringen müsst. Ihr habt dafür drei Stunden Zeit. Um zwölf Uhr beginnt eure Prüfung. Ich wünsche euch viel Glück!“
Liddy schaut Laco fragend an. Sie sieht nur ein Lichtimobil, aber sie sind doch zu dritt. Laco deutet in eine andere Richtung … und Liddy staunt, als plötzlich zwei weitere Lichtgeister mit einem roten und grünem Mobil auftauchen.
Kann Laco Gedanken lesen? Liddy, Lior und Linus haben im Unterricht schon viel von den Lichtimobilen gehört, aber noch nie eines gesehen; stets machte man ein Geheimnis daraus. Nur ein Lichtgeist darf so ein Lichtimobil besitzen. Heute war es also soweit!
Liddy setzt sich auf das gelbe Fluggerät und überlässt Lior und Linus die beiden anderen. Linus wählt das grüne, und Lior ist augenblicklich verliebt in das rote Mobil. Laco hängt jedem eine Glaskugel mit einem Zauberlicht um den Hals und drückt ihnen eine schwarze Marke in die Hand. „Passt gut darauf auf!“ Er schaute zur Sonne. Gleich war es Mittag. „Jetzt geht es los!“, ruft er und schon ist er verschwunden. Liddy dreht die Marke in ihrer Hand. „Was ist das?“, fragt sie, doch eine Antwort bekommt sie nicht. Mit einer Hand streicht sie nachdenklich durch ihr hellblaues Haar. Um die Ohren herum liegen zwei dunkelgrüne, halbrunde Streifen. Schon immer hatte sie den Tick, sich die Haare bunt zu färben. Damals, als sie von der Erde gegangen ist, schimmerten ihre Haare noch lila, hier im Himmel aber ändert sich die Haarfarbe von Woche zu Woche. Mal ist es ein Stich ins Blaue, dann wieder ins Gelbe oder gar Rosafarbige. Heute Morgen hat sich die Farbe in ein Hellblau geändert. Liddy dreht den Chip und entdeckt an dem Lenker einen Schlitz. Da hinein steckt sie die schwarze Marke und drückt den goldenen Knopf, der gleich daneben angebracht ist. Das Lichtimobil beginnt zu summen, nachdem sie den Startknopf gedrückt hat. Aufgeregt schaut sie sich nach Lior und Linus um, aber sie sind noch damit beschäftigt, Schlitz und Startknopf zu finden. Liddy betrachtet den Lenker und denkt ans Fliegen. Plötzlich macht das Gefährt einen Satz vorwärts. Nur einen Augenblick, dann bleibt es ruckartig wieder stehen. Liddy fällt vor Schreck beinahe hinunter. Oh je, denkt Liddy, das Ding geht ja voll ab. Sie hat sich gerade noch festhalten können, sonst wäre sie hinten vom Gefährt gepurzelt. Das Lichtimobil steuert man mit seinen Gedanken, das hat sie schnell begriffen...





Über mich:
Sonny Tailor wurde am 19.Dezember 1969 in Lauf an der Pegnitz geboren und lebt seit vielen Jahren in Bindlach, im schönen Oberfranken. Seit 1991 arbeitet sie als Angestellte bei einer Versicherungsgesellschaft. Ihre Leidenschaft für das Verfassen von Texten hat sie im Jahre 2009 entdeckt, als sie an einem Fernstudium für kreatives Schreiben teilgenommen hat. Schon als Teenager hat sie für bestimmte Anlässe Gedichte geschrieben, was ihr auch heute noch Spaß macht (Reime für Anlässe, wie z.B. Geburtstage, Nikolaus ..., verfassen und vortragen). Beim Schreiben taucht sie einfach in eine andere Welt ein.

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